Fragen (FAQ)

Wir Schweizer haben manchmal den Nachteil, dass wir zuerst alle Fragen beantwortet haben müssen bzw. alle Punkte abgesichert haben müssen, bevor wir ein Projekt beginnen. Scheitern ist uns unangenehm und am liebsten hätten wir auch einen persönlichen Business-Plan in der Musik.

Musik läuft leide anders. Man scheitert immer und immer wieder und probiert wieder. Lassen sie das Scheitern zu.

Trotzdem beantworte ich gerne Fragen, die vielen Beginnern auf dem Herzen liegen.

Ich habe kein Musikgehör? Sollte ich die Finger von der Musik lassen?

Nicht von der Gitarre, aber die Frage ist komplexer als man denkt. Wenn Sie kein Musikgehör haben, heisst dies meistens, sie können einen Ton gesanglich nicht in der richtigen Tonhöhe widergeben. Das Gehirn vermag nicht die richtige Tonhöhe zu erfassen/definieren. Deshalb singen die DSDS-Anwärter, die notabene Kanonenfutter für Blamagen und Einschaltquoten sind, mit voller Hingabe in den falschesten Tonlagen und erwarten in nächster Zeit einen Plattenvertrag mit Nobel-Karriere. Sie hören’s einfach nicht, auch wenn Bohlen höchst persönlich, sie darauf aufmerksam macht, denken sie immer noch, der Bohlen ist verpeilt und nicht sie (gesanglich).

Also die Töne „gehörtechnisch“ nicht zu „erkennen“ kann für Sänger ein grosses Problem sein (Lässt man Bob Dylan weg…), spielt jedoch auch bei der Auswahl eines Musikinstruments eine grosse Rolle: Spielen Sie Klavier und Ihr Klavierlehrer lernt ihnen die Tonleitern, Akkorde und Melodien auf Piano anahnd eines Notenblatts, so werden Sie „mechanisch“ alles korrekt widergeben. Sie spielen quasi mit den Augen (Auge erkennt Note und dies wird weitergeleitet an Hand, die „drillmässig“ daraufhin die richtige Taste bzw. die richtige Note bzw. den richtigen Ton spielt. Es mag jetzt überraschend klingen aber das Ohr wurde streng genommen aussen vor gelassen. Auge – Hand – Taste. Und da der Ton C auf dem Klavier immer ein C bleiben wird (falls richtig gestimmt) müssen sie es mit dem Musikghör nicht so ernst nehmen. Es kann jedoch nicht schaden, setzt man die Stimme ein und benutzt das Klavier als Begleitinstrument.

Es gibt durchaus Pianisten, die, sei im Konzertsaal oder in einer dunklen Bar, schöne Melodien auf dem Klavier spielen, die vom Musikgehör im eigentlichen Sinne nicht sattelfest sind.

Spielen Sie Geige, Cello oder Kontrabass, so ist m.E. ein gutes Gehör schon von grösserer Bedeutung, da diese Instrumente kein „abgestuftes“ Tonhöhen haben. Sie sollten die Veränderung des Tons im Kontext mit einer (bereits geringfügigen) Fingerverschiebung schon „erhören“ können. Beim Klavier geht es von einem Ton zum nächsten in Halbtonschritten, spielt man eine Taste nach der andern nach oben oder nach unten, egal was man hören kann.

Der sehr langen Rede kurzer Sinn. Auf die Gitarre bezogen, brauchen Sie in diesem Sinne kein Musikgehör. Kommt der Gesang ins Spiel so sind die Zuhörer von einem relativ guten Musikgehör eher begeistert. Aber auch hier haben viele Songwriter bewiesen, dass nicht immer eine schöne und korrekt intonierte Stimme die Charts stürmt, hier redet man dann von einer „radiophonen“Stimme, ein anderes Thema.

Es gibt aber noch eine weitere Art Musikghör: Das Musikgefühl und der Sinn für die Rhythmik! Das Musikgefühl bringen sie vermutlich schon ein wenig mit, da sie ja bereits auf den schönen Klang eines Musikinstruments sensibilisiert sind. Sonst wären Sie 24 Stunden an der hektischen Börse oder täglich im Boxtraining, doch anscheinend haben Sie einen Hang zum Musischen.

Der Sinn für Rhythmik allerdings kann einem schon alles vermiesen: Sie spielen die schönsten Solos, die sie jahrelang einstudiert haben, spüren jedoch nicht, wann genau zeitlich die Noten abgefeuert werden müssen. Sie liegen in der Band hinter oder vor dem Beat und „spüren“ dies einfach nicht. Fazit: Kann trainiert werden, aber es ist von Vorteil, wenn man es mitbringt. Und es bringen fast alle mit.

Die Gitarre ist also in erster Linie ein Instrument, das mit Durchhaltewillen und reinem „Handwerk“ erlernt werden kann. Aber: Die meisten Schüler brechen den Kurs ab, weil sie zu wenig Freude daran hatten oder der Aufwand nicht dem von ihnen vermuteten Ertrag entspricht.

Legen Sie einfach los.

Braucht es viel Talent?

Das liebe Talent, treten sie es in die Tonne und üben, üben und üben Sie. Klar hatten die Beatles Talent, aber hatten bald ihre 10000 Betriebsstunden. Und die machten das Zusammenspiel aus. Komponieren ist wieder eine andere Schiene. Ohne das „Stahlbad“ Hamburg wären es nie die grossen Beatles geworden.

Möchten Sie von einem kreativen Herzchirurgen mit Talent operiert werden oder von einem, der es von der Pike auf gelernt hat und schon x erfolgreiche Operationen durchgeführt hat? Eben…

Reicht eine billige Gitarre für den Anfang?

Eben gerade nicht! Wenn es nur scheppert und klimpert bzw. die Gitarre schlecht zu greifen ist, so verlieren sie bald die Freude am Spiel. Deshalb: Nichts Ueberteuertes aber ein schöner Klang kann durchaus motivieren. Tipp: Mieten sie anfangs ein.

Welches ist der richtige Lehrer?

Ganz einfach: was wollen Sie spielen? Heavy Metal oder Klassik? Genau, Stellen sie fest, was ihr Lehrer spielt, und checken sie ob dies ihr künftiger Stil sein kann. Wollen Sie nur begleiten, so bieten das die meisten Teacher an.

Was mich betrifft: Auf viele Stilfacetten einzugehen, bedeutet für mich als Generalist einen grossen Schülerstamm betreuen zu können. ich gehe nebst der Pflicht auch auf viele Wünsche von den Schülern ein, sofern spielbar. Und es ist erstaunlich wie viel gute Songs auch die jüngere Generation bringt, was mein Reperetoire angenehm erweitert. Meine Stärke ist sicherlich ausgebaute Begleitung, Fingerpicking, Folk, Blues, unterrichte aber in den „Ansätzen“ beispielsweise Rock oder Swing (Begleitung).

Ueberschätzen sie die Rolle des Lehrers nicht: Sie sind es, der es in der Hand hält ob sie ein guter Gitarrist werden. Abgesehen von der Haltung und Fingerstellung, kann nicht viel verbockt werden, denn die üblichen Anfangsakkorde, Strummings und Pickings mit denen ein Schüler mal ein halbes Jahr beschäftigt, ist sind gegeben. Also pädagogisch kann nicht viel verbockt werden 🙂 Wenn aber die Chemie stimmt, umso besser.

Ich habe grosse/kleine/krumme/kurze/dicke Finger….

Seit ich die Musik von Django Reinhardt kenne, lasse ich keine chirurgischen Entschuldigungen zu. Django war ein weltberühmter „Zigeuner-Swing-Gitarerro“ der dem Jazz in den 40er Jahren eine eigene Note gab. Er erlitt Verbrennungen an der linken Hand, die uns dazu veranlasst hätten, mit dem Gitarrenspielen aufzuhören. Doch nicht Django, er wurde Weltberühmt mit seinem Manouche-Jazz!