Gitarrentests im Gitarrenshop

Da ich nach längeren Perioden auch wieder mal eine neue akustische Gitarre brauche (E-Gitarren baue oder pimpe ich selbst, was wesentlich einfacher ist als die hohe Kunst des Akustikgitarrenbaus), gehe ich in ein Ladengeschäft in meinem Fall Musik Billeter, Solothurn oder der Auswahl wegen auch Musik Favre in Füllinsdorf. Betreffend Shops erstelle ich zu einem späteren Zeitpunkt einen weiteren Blog.

Nun, am liebsten würde ich mit den speziellen Linealen, Rocker-Dreieck (Das tollste kleine Werkzeug, dass offenbart ob die Bünde abgerichtet sind…) und Distanzuhr (misst die Saitenabsände zum Griffbrett/Bund) in den Shop gehen und die Gitarren mal «vermessen». Aber es wäre ebenso vermessen mit diesen Utensilien einen Shop zu betreten. Was ist also zu tun. Ganz ohne Hilfsmittel geht’s gar nicht, so nimmt man am besten ein Stimmgerät und einen Kapodaster mit.

Wie geh ich nun beim testen einer akustischen Gitarre vor (In diesem Fall eine Stahlsaitengitarre)?

Ich such mir die aus, die mir auch optisch gut gefällt. Was es heute an Löchern Schlitzen und Aussparungen gibt, die anscheinend den Sound verbessern… Ich bin, wie früher mal erwähnt, auch nicht Fan von einem Cutaway. diese paar cm3 brauche ich für den Sound. Mir ist am liebsten die alte klassische Dreadnought-Form (also die gängige Westerngitarre).

Betr. Marken bin ich mit vertrauten Marken immer am Besten gefahren. Im oberen Preissegment Gibson, Martin, Lakewood und im mittleren Preissegment (das tiefere schenken wir uns) Epiphone, Takamine, Cort. Die Aufzählung ist nicht abschliessend!

Bekannt Marken haben halt den Vorteil, dass sie einen gewaltigen Know-How Vorsprung haben. Ich will keinesfalls die Qualität vieler Newcomer-Gitarren schmälern. Neue Besen kehren bekanntlich gut. Ich will nur andeuten, dass Martin seit 1833 im Geschäft ist und jedes Jahr einen Know-How Vorsprung bedeutet. Da müssen asiatische Gitarrenbauer lange kopieren, üben und Bauen, bis sie den technischen Stand von Martin erreichen. doch die Zeit dreht schneller und es gibt natürlich viele Nischen-Anbieter, die einen hohe Qualtität bieten.

Nun zum eigentlichen Antesten

Ich spiele die Gitarre an und achte mal nur auf den Sound! Mein Vorteil ist, dass ich nun bald über 50 Jahre diverse Sounds einer akustischen Gitarre gehört habe und ich gewisse Klangfarben unterscheiden kann. Mein Ziel ist: Einen samtigen, warmen, weichen, druckvollen Klang und eine Gitarre, die auch gut auf Picking anspricht.

Ich spiele also die Gitarre deshalb mit Plektrum und mit den Fingern.

Ich achte auf die Verarbeitung: Farbübergänge, Holzmaserung und vor allem auf die saubere und runde Sache an den Bundenden: Fahren sie mit dem Finger über den Griffbrettrand und achten sie darauf, ob sie scharfe Kanten fühlen. Manchmal treten die Bünde wegen des Holzes, das arbeitet im Kontext mit der Temperatur, ein wenig vor. Sind die Kanten teilweise sehr scharf, legen sie die Gitarre zurück.

Verstimmen sie die Gitarre und stimmen sie die Gitarre wieder. Nehmen sie dazu ein teures Stimmgerät, dass «ruhig» ausschlägt. Wenn sie nun an den Mechaniken drehen, sollten der Ton gleichmässig (nicht ruckartig) und ohne Geräusche höher werden.

Spielen sie nun auf jeder Saite die Töne von der leeren Saite bis nach oben Bund für Bund an und achten dabei auf Schnarrgeräusche. Anfangs mit einem schwächeren, danach mit einem stärkeren Anschlag. Die Gitarre sollte im Besten Fall nie schnarren. Tut sie das nicht und ist der Saitenabstand zum Griffbrett dazu noch angenehm niedrig, so haben sie eine Top Ausgangslage. Sollte mehr als 5 Bünde an verschiedenen Orten schnarren, so spricht vieles dafür, dass die Bünde nicht überall gleich hoch sind und diese abgerichtet werden müssten. Aber Achtung, ich habe auch schon erlebt, dass der Inhaber die Gitarre kurz in die Werkstatt genommen hat und nach 10 Minuten via Halskrümmung das Problem gelöst hat. Dies führt mich zum nächsten Punkt:

Halten sie mal die Gitarre wie ein Gewehr und schauen über die Griffbrettkante (Am besten der Korpus «an» ihrem Gesicht.) Vielleicht stellen sie eine übermässige Krümmung fest. Ganz gerade geht fast nie, doch eine zu grosse Krümmung müsste korrigiert werden. Aber Achtung: Die Möchtegern-Profis, die so über das Griffbrett schauen und schon wissen was Sache ist, können in keinem Fall sagen, um wieviel die Krümmung (das Relief) nicht stimmt. Man kann einfach ungefähr sagen, dass es nicht stimmt. Bei Stahlsaitengitarren kann die Halskrümmung korrigiert werden.

Setzen sie die Kapodaster im ersten Bund und drücken sie die tiefe E-Saite an dem Punkt, wo sich Hals und Korpus verbinden (grobe allgemein: 16. Bund). Ab diesem Punkt, also «höher», bewegt sich der Hals nicht mehr, da er fest mit dem Korpus verschraubt in einigen Fällen, sogar verleimt ist. Dann achten sie etwa in der Mitte also ca. 7. bis 9. Bund auf die Distanz der Saite zum Griffbrett. Tippen sie an dieser Stelle mit dem Finger auf die Saite. So kriegen sie das Gefühl wie hoch der Saitenabstand im 7. oder 9. Bund ist.

So weit so gut: Sie möchten gerne eine Gitarre mit möglichst «gerader» Halskrümmung,  tiefer Saitenlage, die beim Anspielen niergendwo scheppert und gut verarbeitet ist.

Kommen wir noch zum Sattel. Ein sehr wichtiger Punkt. Wenn sie im dritten Bund drücken und zwischen dem ersten Bundstäbchen und der Saite ein Blatt Kopierpapier Platz hat ist es mal nicht schlecht. Gar nicht gut, wäre, wenn die Saitenkerben zu tief gefeilt sind. Da hilft nur der Soda-Sekundenkleber Trick vom Profi bzw. ein Austausch des Sattels. Ebenfalls sind im optimalen Fall die Kerben für eine bestimmte Saitendicke vorgesehen. Das leuchtet ein, da eine Kerbe für 10er Saiten eine 13 Saite nicht passend aufliegen lässt.

So haben sie ein wenig eine Starthilfe. Sind sie aber Einsteiger, so nehmen sie am vorzugsweise jemand mit der ihnen ein wenig bei der Auswahl zu Saite steht. Ach ja: Reduzieren sie die Auswahl nicht auf zu viele Gitarren, sonst wissen sie nicht, wo ihnen der Kopf steht.

«Ach die teure brauchen sie gar nicht vom Haken zu nehmen…» Doch bitte, sollte man. Der Grund liegt darin, dass sie die beiden Extreme teuer-billig anspielen und so rausfinden wo in etwa ihr Klangspektrum liegt.

Die Sache mit der Elektronischen Verstärkung gehört sich gut überlegt. Spielen sie in den nächsten 5 Jahre über ein PA oder über einen Akustikverstärker. Wenn ja entscheiden sie sich für eine Gitarre mit «Kabelanschluss» Der Preis den sie zahlen ist manchmal eine hässliche Verbauung eines elektronischen Teils inkl. Stimmgerät. Man kommt jedoch teilweise davon ab und verlegt das Volumenpoti an den Rand unterhalb des Schallochs. Nachteil: Sie haben dann nur das Volumenpoti und die restlichen Einstellung müssen sie «extern» am PA oder am Akustik-Amp vornehmen. Ebenfalls können sie bei einem evtl. Auftritt – «Gig» keinen runden Rückkoppelungs-Dämpfer aus Gummi ins Schallloch «eindrücken». Das Volumenpoti ist im Weg bzw. kann nicht mehr bedient werden.

Betr. Sound ist es bei elektroakustischen Gitarren (nicht elektrischen) so eine Sache: Spielen sie Gigs, so ist ihnen natürlich wichtig, dass der tolle akustische Klang auch mit hoher Qualität elektronisch verstärkt wird und über den Akustikverstärker bzw. über eine Gesangsanlage (PA) ebenso oder annähernd so toll rüberkommt. Dies müsste also auch getestet werden. Was nützt ihnen der tollste akustische Klang, wen sie im elektronischen LVE-Betrieb diesen Sound nicht rüberbringen. Da kann eine Gitarre, die akustisch nicht sooo toll klingt, jedoch elektronisch das Beste rausholt, die bessere Wahl sein.

Weiter geht’s mit der Intonation, fälschlicher Weise vielfach mit Bundreinheit betitelt. Jetzt brauchen wir das Stimmgerät. Stimmen sie die hohe E-Saite sehr genau, drücken diese Saite im 12. Bund ab und spielen die Saite ebenfalls in dieser Position. Das Stimmgerät sollte auch im 12. Bund genau den gleichen Ton anzeigen, also sollte sich die Anzeige nicht verändern. Ist dies nicht der Fall, sprich die hohe E-Saite stimmt zwar, wenn man sie leer anschlägt, aber im 12. Bund wird eine höherer oder tiefer Ton angezeigt, so wird es kritisch. Bei Elektrogitarren kein Problem. Das sind tönende Mechano-Kästen. Man kann, speziell bei Fender, alles nachstellen und justieren. Somit auch die Saitenlänge, die einen Einfluss auf die Intonation hat. Bei akustischen Gitarren ist der Steg fest verleimt. Somit ist die Saitenlänge zwischen Steg und Sattelkerben genau definiert und kann nicht ohne grösseren Aufwand korrigiert werden.

Und zu guter Letzt: Der Verkäufer wird ihnen während des Ausprobieren mit ziemlicher Sicherheit folgende Sätze aufsagen:

  • Das ist ein Schätzchen! Von den fünf Stück, die ich habe, ist dieses Modell die Perle!
  • Ist der Klang nicht phänomenal?
  • Man kann im Nachhinein alles nachrüsten!
  • Ich spiele dieses Modell selber!
  • Das ist eine neue spezielle Holzverarbeitung, die sonst in dieser Preisklasse nicht angewendet wird.
  • Noch die nächsten 2 Tage gibt es Rabatt!
  • Ein Geheimtipp unter Profis

Er meint es teilweise ehrlich, doch bleiben sie fokussiert beim Wesentlichen gemäss obigen Tipps. Weiter sollten sie nur die Gitarre kaufen, die sie angespielt haben. Auf keinen Fall eine nachbestellen: Das gleiche Modell kann anders klingen.

Ich habe mir vor ein paar Tagen die legendäre J45 von Epiphone ergattert. Epiphone hat die Lizenz, sämtliche Gibson Modelle 1:1 nachzubauen. Das ganze Know-How  von Gibson fliesst in die Produktion der «billigeren» Linie. In meinêm Fall würde die Gitarre von Gibson ca. CHF 3500.- aufwärts kosten und die «Kopie», die in Klang und Verarbeitung sagenhaft ist kostet 1150.- Ich hatte dann noch eine schlaflose Nacht betr. Farbauswahl. Ich bin jetzt noch nicht sicher, ob ich die richtige Wahl getroffen habe. Der Vorteil diese Methode: Sie können das teure Gibson Modell anspielen und danach gleich die «Günstiglinie». In meinem Fall war der Klang der Epiphone gewaltig und ich merkte keinen Preisunterschied von 2500 und mehr. Dasselbe habe ich mit der Jumbo J200 gemacht und kam zu einem anderen Schluss. Per se hätte mir die Jumbo besser gefallen, doch der Klangunterschied von teuer zu günstig war hier frappant, was je eingentlich ok ist. Irgendwo muss der Preisunterschied liegen.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spass bei der Qual der Wahl und beim Antesten von Akustik-Gitarren. Mit der Zeit haben sie den Bogen raus. Und schlafen sie ruhig eine Nacht darüber, am Morgen fühlt sich alles nüchterner an. Dann gehen sie nochmals hin und machen den Deckel zu. Den des Koffers. Den dieser gibts ab 1000.- in der Regel dazu.

 

 

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Playbacks – Styles – Drummachines etc.

Würde man nur noch die Musiker an den Start lassen, die wirklich LIVE spielen dh. ohne jegliche Hilfsmittel wie Drummachines, Sequenzer, Playback ab Konserve, Harmonizer, Loop-Stations oder wie sie alle heissen mögen, so würde die Anzahl der Acts sicher um die Hälfte schrumpfen. Die Musikpolizei bzw. eine grössere Anzahl von Musikern und Zuhörern sind sich dessen bewusst, dass beispielsweise ein Alleinunterhalter nicht ganz ohne Hilfsmittel auskommt, sei es eine Loop-Station oder einen Vocalizer. Aber gibt es in der Toleranz Unterschiede verschiedener Techniken, also Hilfsmittel bei denen man ein Auge zudrückt?


Zunächst, was gibt es überhaupt für Mogelpackungen? Nachfolgend eine nicht abschliessende Aufzählung einiger «Begleitschummeleien»

Vollplayback
Hier müssen wir nicht viel erörtern: Goht gaar nid! Ausnahme: In Fernseshows wird vielfach das Vollplayback angewendet, damit der Sound wie «ab der CD» oder wie man es aus dem Radio kennt, klingt. Man will kein Risiko eingehen und das Kabelwirrwar aufs Minimum reduzieren. So kann es sein, dass sie ein Drum hören, aber kein Drummer auf der Bühne ist wie letzthin bei der Beatrice Egli Show (April 23), als Peter Maffay seinen Song präsentierte. Wer sich als Musiker ausserhalb des Fernsehens so auf die Bühne traut, hat Nerven.

Halbplayback
Hier wird alles «ab Band» gespielt ausser der Stimme. Dh. der Künstler singt selbst. Hier drücken wir ganz ganz fest alle Augen zu und lassen es vor allem an Karaoke-Abenden zu, wo es natürlich ein Gaudi ist. Viele Musiker treten zwar in dieser Konfiguration auf, aber ich würde jetzt kein Abend damit verbringen einer Band ab Band zu zuhören, so toll die Stimme auch sein mag. Ich kenne einen tollen Elvis Imitator (Elvesto), der den Begleitsound ab seinem Natel über die Gesangsanlage abspielt und dazu singt. Tolle Stimme, doch sobald er LIVE belgeitet wird, wirds richtig gut.

Ein toller Entertainer und ein guter Freund von mir, Reto «Coolcat» spielt mit Halbplayback, spielt aber noch Gitarre dazu. Übrigens würden vor allem Musiker im Publikum merken, wenn die Gitarre nicht LIVE gespielt würde. Im Gegensatz zum Keyboard, das leicht versteckt ist, gibts hier keine Chance so zu tun als ob. Zu erwähnen wäre noch, dass der Sound, der selbst und Live gespielt wird im Vordergrund sein sollte. Also bitte nicht ganze Bläsersätze, Streicher und pompöse Sounds. Das Halbplayback sollte eine Ergänzung sein.

Drummachine oder Drum-Loops
während man bei den Voll- und vor allem bei Halbplaybacks sehr konzentriert sein muss (sobald man einen Einsatz verpass, wirds peinlich), sind da Drums im Hintergrund gutmütiger. sie haben keine Harmonien und via Fusspedal können wir die Drumspur beenden. Ich selbst benutze diese Art von Begleitung gerne. Das Publikum weiss sofort was Sache ist und dies ist für mich die legitimste Art seinen Sound aufzupolieren.

Der Rhythm-Style
Keyboards haben meist eine Automatik, die es erlaubt beim Drücken eines Akkords mit der linken Hand, eine ganze Begleitung mit Bass Strings bzw. Drums auszulösen. Sobald ich den Akkord wechsle zieht der Bass und das ganzen Drumherum mit. So ist man im Gegensatz zu Playbacks sehr flexibel. Man kann nochmal einen Refrain wiederholen oder das Stück länger oder kürzer gestalten. Die Bassläufe sind natürlich nicht immer Jazz-Like und so klingts vielfach (je nach Technik und Modell) nach einer Tanzkapelle.

Der Looper
Das ist eine Art digitales Aufzeichnungsgerät in Form eine Effektpedals meist für Gitarristen. Das Gerät wird zwischen Verstärker/Gesangsanlage und der Gitarre eingeschlauft. Drückt der Gitarrist drauf, so nimmt das Gerät den Gitarrensound auf bis wieder auf das Pedal gedrückt dh. die Aufzeichnung gestoppt wird. Ebenfalls kann man dies wiederholen und laufend weitere Spuren hinzufügen, so dass man im Laufe der Vorführung eine ganzes Orchester im Gerät hat. Ed Sheeran ist der Meister in diesem Gebiet. Wer sich noch an Fräulein Da Capo erinnert in der Late Night Show Giacobbo/Müller: Sie trat ebenfalls mit Looper auf. Der Nachteil dieser Technik aus der Sicht des Publikums: Man muss jedes mal ausharren, bis sich die ganzen Layer zu einem Ganzen geformt haben. Vielfach spannend aber beim 15. Songs kanns einem lange vorkommen. Es geht nie ein Song sofort volle Pulle los. Aus der Sicht des Musikers: Jede Ungenauigkeit kann zum Desaster werden…

Was ich noch speziell finde. So nach dem vierten Layer tönt die Sache recht nach einem Playback ABER: Da der Künstler aber diese «Soundcollage» in Anwesenheit des Publikums erstellt hat, wird das locker durchgewunken. Würde ich alle Spuren im stillen Kämmerlein produzieren und das Ganze  während dem Gig pfannenfertig abrufen, so hielte sich die Begeisterung in Grenzen, obwohl derselbe Aufwand betrieben wurde. Aber das interaktive Erstellen der Sounds ist eigentlich der eigentliche Knüller.

Der Vocalizer
Das ist ein Gerät, dass aus einer Stimme einen ganzen Chor machen kann. Ich verwende diese Technik ebenfalls nebst Drummachine. Sobald ich in den Refrain gehe schalte ich das Gerät ein und so setzt sich der Refrain mit einer zweiten oder dritten Stimme ein wenig von den Strophen ab. Die Technik dazu ist, jedenfalls für mich, sehr genial: Das Gerät erkennt den Akkord den man auf der Gitarre drückt und setzt automatisch die richtigen Töne. Also funktioniert der Vocalizer nur in Verbindung mit der Gitarre.

Autotune (Tonhöhenkorrektur)
Sobald der gesungene Ton nicht ganz astrein ist, wird er hörbar in Echtzeit korrigiert. In der heutigen Zeit wird diese Technik vor allem im Pop, bei grossen Gigs häufig angewendet. Autotune wurde vor 20 Jahren erfunden (Andy Hildebrand) und Cher ging noch einen Schritt weiter: Sie, bzw. die Techniker spielten mit den Einstellungen bzw. übertrieben diesen Effekt, dass eben dieser bekannte «Cher-Effekt» ins Leben gerufen wurde (Believe). Eine Stimme halb Mensch halb Computer. Adele macht ebenfalls Gebrauch von dieser Technik, sowie viele Acts im Hip-Hop bzw. R&B Bereich.

Grenzfall: Der Keyboarder hinter dem Vorhang
Lustige Sache, aber durchaus auch eine Variante, die sogar bekannte Bands angewendet haben (Bsp. Kiss)

Was ich persönlich (mit grosser Kompromissbereitschaft) verwende:
Bei Soloauftritten: Vocalizer / Drumbeats / Looper
Bei Duo-Auftritten: Nur Drumbeats
Ab Trio-Stufe: ALLES LIVE!

Im Gegensatz zu mir haben da viele Musiker Null Problemo. Und wirklich: Sobald man es auch deklariert, ist es legitim, trotzdem…


Nun stellt sich die Frage was geht oder was nicht geht. Meine Meinung? Eigentlich geht gar nichts ausser LIVE-Musik. Alles andere ist immer ein Kompromiss, der halt eingegangen wird, aber der immer ein wenig einen faden Nachgeschmack, jedenfalls für mich, hinterlässt. Ich kann zwar bei meinen Gigs eine grössere Sound-Abwechslung bieten, bin aber am Schluss nie total befriedigt, weil halt ein Teil nicht ich produziert habe. Damit das Publikum auch sieht, dass ich ein wenig trickse, lasse ich am Schluss den Looper laufen und gehe von der Bühne.

Darum lieben Heavy Metaller oder Jazzer ihre Sparte. Denn sie können sicher sein, dass die Künstler ihren Sound live und echt spielen ohne etwelche technische Sound-Hilfsmittel. Würde eine Heavy-Metal Gruppe so was verwenden, ich würde nicht gerne in der Haut der Bandmitglieder stecken. Ebenfalls könnte man die Rockabilly Szene auch als echt bezeichnen. Dies sollte der Normalfall sein und ich staunte nicht schlecht, als ich bei der Recherche für diesen Blog auf Bands gestossen bin, die da Sounds ab Konserve einsetzen. Die Liste der bekannten Bands wäre jetzt sehr lang, deshalb nur der Hinweis, dass es viele nicht lassen können. Zur Entlastung kann jedoch erwähnt werden, dass es sich vielfach auch um Soundeffekte handelt die eingespielt werden, also nicht Instrumente per se. Doch als ich Queen Ende in den 70ern (19.5.77) in der Sporthalle St. Jakob hörte, fiel mir auf, dass ein Klavier erklang, obwohl Freddy nicht mehr dahinter sass. Also begann diese Technik schon sehr früh.

Spiele ich aber mit mindestens zwei weiteren Musikern, so ist Ehrensache ab dieser Formation keine Hilfsmittel einzusetzen. Je besser der Musiker, desto weniger technische Krücken braucht er.

18.4.23 / 23:50 – Roland Chopard

 

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Übungspläne – Sinn und Fluch!

Meine Erkenntnisse in Bezug auf dieses Thema resultieren brutal aus eigenen Erfahrungen. Mein Vater war Biologielaborant, ich damals Chemielaborant, relativ «genaue» Jobs, was dazu führte, dass ich detaillierte, penible, akurate Pläne, «Projektabläufe», Ziele, Zielvorgaben, To do Listen und was es so alles gab aufzeichnete. Damals wusste man nichts von Natels und digitalen Agenden etc., so dass in jener grauer Vorzeit das analoge «Time-System», eine Agenda mit auswechselbaren Listenblättern, die alles abdeckten, was eine «moderne» Agenda so enthalten muss, der absolute Brüller aller Schreibtischkämpfer war.

So weit so gut. Dieses Bedürfnis alles klar zu ordnen, zu strukturieren, zu planen manifestierte sich natürlich auch im Gitarrenspiel. Ich erstelle Übungspläne und je mehr Pläne ich erstellte, desto mehr schuf ich mir ein Monster: Aufwärmübungen, Skalen, Akkorde, Grifftabelle, Wo liegen die Töne. Wenn es hoch kommt, dann noch Abkürzungen wie SK1-357-10 Minuten, SK1-358-20 Minuten etc. Der Zeitaufwand, diese Pläne zu erstellen, war nicht ohne, aber der Hauptfrust hat eine einfache Ursache: Je mehr Ziele und Vorgaben ich mir setze, desto frustrierter bin ich, so viele Punkte zu sehen, die ich  ohne eiserne Disziplin unmöglich einhalten werde. Jede Wette darauf. Es ist natürlich ein wenig eine Charaktersache. Der Perfektionist will dies strukturieren, einen Übungsrückstand erklären können, Massnahmen ergreifen, und nichts dem Zufall zu überlassen.

Mein subjektiver Tipp: Falls ihr es aushaltet, schmeisst die Pläne in die Tonne, schreibt dafür 10 Songs auf, die ihr in einem halben Jahr oder weniger drauf schaffen möchtet. Wenn ihr nun die Songs taktisch so auswählt, dass sie euch einerseits gefallen und auf der anderen Seite vielfältige und coole Gitarrentechniken aufweisen, dann schlägt ihr 2 Fliegen mit einer Klappe: Ihr habt coole Songs in eurem Repi und habt zudem mit den Songs geübt. Nämlich Intros, Solis, neue Akkorde, Begleittechniken, Liedaufbau etc. Habt ihr 100 Songs im Kasten, habt ihr das Vielfache von Techniken im Kasten.

Verbindet also das Üben mit der Musik, also den Songs und nicht mit einem Regal voll Licks, Riffs, Patterns, Strummings etc. die ihr nummeriert und ablegt. Denn alle diese Techniken sollen sich ja am Schluss in einem Song vereinen kein Selbstzweck sein im Sinne: «Guck mal, das ist die oxydologische Skala B33». Und das haben ja schon viele Musiker vor uns gemacht. Sie hirnten sich ein Arrangement aus, nahmen ein Album auf und wir gehen nun den umgekehrten Weg. Wir analysieren die Songs, lernen die Techniken und füllen das Repertoire.

Macht euch das Leben so einfach wie möglich. Wenn wir das Hobby auch noch bis ins Detail strukturieren, brauchen wir bald einen Ausgleich fürs Hobby. Notabene erinnert ihr euch viel eher an einen Song als an das Riff Z35841 aus dem Archiv 55.

 

 

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Wertzerfall von Gitarren- und Songbooks

Der momentane Tiefpunkt der CS-Aktie (Habe aus Spass im Januar 34 Aktien zu 2.95 gekauft) stellt heutzutage vergleichsweise den Wert von Gitarren- und Songbooks in Papierform dar. Der einzige Unterschied könnte jedoch sein, dass die Aktie rein theoretisch wieder anziehen könnte, während die physische Form von Büchern (fast) endgültig der Vergangenheit angehört. Was will man lamentieren: Der Strukturwandel und der technische Fortschritt sind nun mal gegeben. Sowie es keine Postkutschen oder Telefonkabinen mehr gibt, werden auch viele physische Ausgaben von irgendwas langsam verschwinden. Klar, werden Guitarbooks immer eine Rolle spielen, sei es im Unterricht , für die Sammlung per se oder für einen Schweizer Song, dessen Tutorial ich partout nicht im Internet finde.

Gut bin ich nicht als Broker tätig, ich würde aufs falsche Pferd setzen. Doch wer hat mir in den Siebzigern vorausgesagt, dass es mal eine coole Sache namens «Youtube» geben wird, die uns hilft, auf eine einfache Weise einen Song zu lernen. Qualitativ gute Clips, in technischer und pädagogischer Hinsicht, zeigen uns den Weg Schritt für Schritt wie man ein Soli, Lick, Riff, oder die Begleitung spielt. Will ich ebenfalls etwas über den Gitarrenbau, die Saitenwahl, die Luftfeuchte in einem Gitarren-Raum oder das Repertoire eines Solo-Künstler wissen, so schaue bei Youtube nach!

Doch bis es soweit ist, sollte es noch einige Dekaden dauern. So kaufte der eifrige Rolli, Buch für Buch und die Bibliothek von Song- und Gitarrenlernbücher wuchs stetig. Natürlich muss ich erwähnen, dass ich die Bücher gelesen und die Stücke, die mir lagen, gelernt habe, aber die Preise waren nicht von schlechten Eltern:  Ein Buch mit Hochglanztitel-Seite und beigelegter CD kostete locker mal bis zu 40 Hägar.  Und ob die Tabulatur- oder Notenparts dann wirklich dem Originalgitarren-Parts entsprachen konnte man nicht immer wissen. Fairerweise muss man festhalten, dass die Bücher heute immer noch im Angebot sind, denn ich rede einfach vom Wertzerfall nach dem Kauf, so wie bei einer CD oder LP. Ganz verschwinden werden die Bücher nie. Aber die digitale Form schreitet stetig voran und ein Buch auf tutti.ch können sie nur erflogreich verkaufen, wenn der Preis, natürlich je nach Buch,  unter Fr. 15.- oder Fr. 10.- liegt (NP Fr. 42.-)

Anfangs waren einigen Büchern sogar 45er Single-Folien!!! als Soundbeispiele beigelegt. Mit der Zeit wurden es Kassetten danach CDs und mit der Überflutung der Silberlinge wechselte man dann auf die Möglichkeit, sich das ganze mithilfe von mp3 Files im Internet anzuhören können.

Dass ich nun ein eifriger Verfechter der alten Schule bin ist eine Fehlanzeige. Besonders ich als Teacher blättere nicht mehr all zu viel in den Büchern, um einen Song anhand der Tabulatur und des Soundfiles zu lernen. Da starte ich lieber Youtube, gucke was der «Youtuber» wo was drückt und im optimalen Fall kann ich mit Hardcopy-Paste noch die entsprechende Tabulatur (für Privatgebrauch!!) ins Word rüberbeamen. Eine tolle Sache ohne Blättern und CDs einlegen. Aber Obacht: Es kommt auch immer darauf an, welcher Aufnahme-Kanal beim Musiker ausgebildet ist. Liest er lieber Noten oder Tabulatur, sieht er es besser mit dem Auge oder reicht eine Hörprobe um sich Musikalisches einzuverleiben? Eine wichtige Frage, auf die sie nach einiger Zeit und mit etwas Erfahrung eine Antwort wissen. Meine Aufnahmefähigkeit funktioniert bestens mit der Youtube-Methode. Ich bin so um einiges schneller, als zuerst über einer Tabulatur zu brüten (für Noten bin ich eh zu langsam), was natürlich nicht unbedingt ein Kompliment für einen Musiker ist, der ja vor allem mit dem Auge anhand einer Partitur reüssieren sollte. Es ist wie’s ist und so freue ich mich jeden Tag, auf schnelle und unkomplizierte Weise etwas neues zu lernen.

Ach ja, was meine Bibliothek betrifft: Ein Teil davon ist in meinem Unterrichtslokal/Shop aufgelegt. Dort kann man stöbern oder ein Buch zu günstigen Konditionen erwerben. Ein wenig Spass habe ich natürlich trotzdem an meinen Büchern, sei es aus nostalgischen oder Sammler-Gründen.

Besonders hervorzuheben ist das Lernbuch von Peter Bursch, der ultimative Guru aus den späten Siebziegern bis heute. Er war der «Gitarrenlehrer ohne Noten», was damals revolutionär war und brachte den Jüngern das Gitarrenspiel auf einfache Weise bei. Sein cooles Aussehen zelebrierte er bis heute auch karikaturenmässig und seine Bücher sind heute noch Kult:


Ja, auch mit diesem Buch, einfach in der alten Form ohne CD und altem Design, lernte ich Gitarre spielen.


Also mit dieser Steinzeit-Version mit Platte!!!!! köstlich!

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In Würde altern…

…ist ein Thema über das ich nicht schreiben kann ohne dass es ein wenig persönlich wird. Als Unternehmensberater würde ich dem Grosskonzern raten, diesen Blog zu lassen, aber für einen Musiker drücken wir ein Auge zu, wir sind alles Menschen und ich hoffe, es ist ok.

«Hey cool, dass du das noch in deinem Alter machst…» Schach und Matt! Es ist nicht etwa eine Trip ins All gemeint oder eine Reise zu Fuss durch Europa, nein, es ging hier um die Tatsache, dass ich mit 52 (also jetzt 2023 vor elf Jahren) auf ein Skateboard gestiegen bin und ein wenig die Balance ausprobiert habe. Ein anderes Beispiel? Ein Gitarrenschüler beklagte sich über Schmerzen im Arm und auf meine Antwort, dass auch ich dies auch manchmal verspüre, kam postwendend und zackig ein «Ja, aber du bist schon 60!» Diese Statements, die man immer öfter hört, sind lustig und nie böse gemeint. 1981 spielte in unserer Band «Zip Code» ein 32 jähriger Gitarrist mit. Jean Claude war für mich damals uralt und wir sagten uns, dass er halt gut spiele und er bleiben könne. Jean Claude war damals 31 Jahre jünger als ich jetzt bin. Selber spürt man es nicht so intensiv, dass man altert, man wird häufiger darauf hingewiesen. Einzig gewisse Vorkommnisse oder Einsichten demonstrieren den Prozess des grausamen Zellverfalls, wie die Idee, dass ich nun meine Lesebrille an einer Kette umhängen muss, damit ich sie immer bei mir habe. Haben sie schon mal einen obercoolen 21-Jährigen mit einer umgehängten Lesebrille gesehen? Ebenso muss ich nun aufpassen, dass ich mich nicht verheddere, wenn ich auf einem Bein eine Hose abstreife, denn ein Sturz in der Wohnung endet aktuell nicht mehr so locker wie vor 40 Jahren. Auch die Tatsache, dass ich nun künftig auf das geliebte Skifahren verzichte, da erstens die Kollisions- und Sturzgefahr stetig zunimmt und ich mir der ganze Zirkus mit schweren Skischuhen und dem Skitransport nicht mehr so Spass macht.

Ist man nicht so optimistisch und nicht immer bestens gelaunt, wie Emil Steinberger, der mit 90 immer noch auf der Bühne steht, kann es einem schon auf den Magen schlagen, dass man in der Berufswelt mit 50 bereits ausgezählt wird, von 60 Lenzen ganz zu schweigen. Jung und dynamisch ist die Devise. Es gibt Unternehmen in jüngeren Branchen, in denen sie im Office vergeblich einen Mitarbeiter über 30 antreffen. Das Gap mit den IT-Kenntnissen wir immer grösser und wenn ich mir so über 60 Jährige anhöre mit Sprüchen wie «Der ganze Computerkram kümmert mich nicht, es ging früher besser ohne…» oder wenn ich einer älteren Person schnell chatte und auf ein OK Retourchat mit zwei Buchstaben (OK) warte…  Dann probiert mich derjenige verzweifelt anzurufen, weil er nicht gerne simselt oder chattet und überhaupt Probleme mit dem Natel hat. Hie und da ist auch ein wenig eigenes Verschulden, da wir halt zu viele und zu schnelle Veränderungen hassen. Aber auch ich habe schon gesagt, dass ich nach der Pensionierung den ganzen PC Plastik Schrott zum Fenster rauswerfe. Leider oder auch Gottseidank muss ich mich mit Office, Internet, Webdesign, Skype oder dem sonstigen ganzen Kram befassen. Es hält einem jung…

Was hat das mit Musik zu tun? Schlagen wir nun den Bogen und ich behaupte, dass Musik eines gewissen Stils eher die Sache jüngerer Menschen ist. Nun werden sie einwenden es gäbe die Stones, ZZ-Top und wie die älteren Bands alle heissen mögen. Ja klar, aber die waren bereits in jungen Jahren berühmt und bauten sich eine Fangemeinde auf, die sie nun bis ans Ende ihrer Tage begleiten. Ich rede von den Amateurmusikern oder Teachern wie ich, die nun mit über 60 noch im «Business» sind. Selbstredend, dass man nicht mehr als Hochzeitsmusiker engagiert wird, ebenso können sie eine Teilnahme bei DSDS (siehe vergangener Blog) vergessen. Bewerben sie sich als Gitarrist bei einer jüngeren Band, so ist diese Spitex Beziehung nicht erwünscht. Und eine jüngere Band dessen Bandmembers eine Tatooausstellung an vielen Körperflächen haben und deren Haare ungezähmt in’s Gesicht fallen, wirken einfach cooler als ein paar ältere gesetzte Herren, die den alten Blues Rock zelebrieren. Singe ich einen Text über die grosse Liebe ist das auch nicht der Brüller, da ich erstens zwei Kinder und zwei Enkelkinder habe und die Liebe in späteren Jahren halt nicht mehr auf reiner Schönheit und Schmetterlingsgefühlen basiert. Dann gibt es die grässlichen Dinge, wie die Stimme, die ab 60 bricht und das Gehör, das nicht mehr so sauber intoniert wie auch schon. Ich gehe nicht nur mit mir hart ins Gericht sondern ich würde mir wünschen, dass Paul McCartney, so sehr ich ihn vergöttere, sich nun endlich das Singen verkneifen würde. Obwohl er ein ständiger Jungbrunnen zu sein scheint, nagt auch an ihm das Alter, wäre ja auch ungerecht.

Da ich mich in Sachen Gig-Anfragen aktuell nicht beklagen kann und genügend Gitarrenschüler unterrichte, gehe ich davon aus, dass ich dieses Thema schon ein wenig überbewerte bzw. pessimistisch betrachte. Es gibt viele ältere Damen und Herren, die gar nicht lamentieren sondern einfach das Leben geniessen, so wie es ihnen möglich ist. Der mentale Aspekt spielt eine grosse Rolle und die Gründe für meine eher pessimistische Sichtweise hat auch mit meinen Eltern zu tun. Beide bestimmten den Zeitpunkt ihres Todes. Meine Mutter nach einer Krankheit durch die Sterbehilfe «Exit» und mein Vater beschloss, die Ernährungssonde zu entfernen um danach ein Sterbehospiz aufzusuchen. Etwas über 2 Wochen dauerte es danach bis zu seinem Tod. Dem Alter konnte ich demnach nichts Gutes anhaben und selbst meine Mutter verteufelte das Altwerden, denn sie war früher eine agile, schöne und unabhängige Frau. Auch der Besuch in den Altersheimen sowie die Rotkreuz Fahrten, die ich früher als kleiner Nebenverdienst getätigt habe, bestärkten in keiner Weise die Meinung, dass Altwerden ne Hammer Sache ist. Altes ist in unserer schnelllebigen
Social Media Welt, wo das Äusserliche zelebriert wird, die Schönheitschirurgen Hochkonjunktur haben und Andersdenkende schon in der Schule gemobbt werden, nicht mehr erstrebenswert. Ja, es ist grausam, wenn eine etwas seltene sexuelle Orientierung nicht von allen gefeiert wird bzw. ich nicht 8 Toiletten vorfinde, die meinem Status entspricht, aber mit den Jahren von der Gesellschaft einfach ausgemustert zu werden, ist grauenvoll und doch macht es jeder durch, der vorher nicht das Zeitliche segnet, ob reich oder arm.

Doch vorerst geniesse ich es trotzdem, dass meine Finger noch funktionieren, ich gesund unterrichten und auftreten darf. Somit schliesse ich mit einem Buchtitel (Roman von Johannes Mario Simmel) ab:

«Hurra wir leben noch»

 

Hier noch unsere Band «Zip-Code» aus den Anfängen der 80er! Wir komponierten eigene englische Songs und unser Höhepunkt war ein Auftritt im legendären «Atlantis» in Basel. Die Pinkelpause ist nur simuliert!
Von links nach rechts: Rolli, Tseten, Martin und der «alte» 32 jährige Mann mit Schnurrbart

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Der hässliche Cutaway…

Gemach, liebe Blog-Leser! Ich liess mich von den Emotionen leiten, denn es gibt Konzepte und Dinge in diesem Universum, die ich einfach nicht verstehe, aber die nun mal existieren und somit ihre Daseinsberechtigung haben. Dazu gehört für mich eindeutig der Cutaway, der Einschnitt an einer akustischen Gitarre. Auf dem Bild erkennen sie, was ich genau meine. Hier zuerst bei einer elektrischen Gitarre ein optisch toller und spieltechnisch begründeter Cutaway :

Am oberen Teil dieser Fender-Kopie sehen sie die zwei Bögen bzw. kurvigen Einschnitte, folge dessen dann zwei «Hörner» entstehen. Bei einer elektrischen Gitarre ist diese Form meist unumgänglich, damit man auch in den oberen Bünden bespielbar ist. Soweit so gut. Elektrische Gitarren mit Cutaways sehen Hammer aus!

Mein Fokus hier richtet sich aber explizit auf die akustischen Gitarren wie dieses Bild zeigt:

Ich persönlich finde den Einschnitt erstens nicht so ästhetisch und zweitens total sinnfrei. Wie viel Prozent der Gitarristen tummeln sich beim akustischen Spiel in den oberen Regionen des Griffbretts. Bestreite ich Gigs alleine, spiele ich vorwiegend akustisch und baue hie und da mal ein Solo ein. Die Durchsetzungskraft und die Brillanz der Töne, selbst mit Amp verdünnisieren sich so ab dem fünften bis siebten Bund.

Der zweite Faktor ist der Preis: Gitarren mit Cutaways sind etwas teurer, da die Herstellung etwas aufwändiger ist (Biegung und Formung der Zargen).

Musiker mit feinen Ohren werden den Klangunterschied von Gitarren mit und ohne Cutaway merken. Auf jeden Fall im direkten Vergleich. Immerhin werden ein paar cm3 weggeholzt, die den Klang beeinflussen. Bei elektroakustischen Gitarren kann dieses Defizit via Verstärkung ausgeglichen werden. Bist du aber Einsteiger und wählst eine Gitarre ohne Tonabnehmer, so würde ich dir eine Gitarre ohne Cutaway empfehlen. Vielleicht nicht gerade ein teures Exemplar im «Bob Dylan-Style» gemäss folgenden Bild:

Hier kann man über die «hängenden Schultern» lamentieren aber der fehlende Cutaway ist für mich eine Wohltat.

Zum Schluss oute ich mich mit meiner Inkonsequenz, denn erstens gefällt mir eine Gitarre mit Cutaway ganz besonders

Klar, ein leichter gerader Cutaway, aber wenn einer es konnte, auf einer akustischen Gitarre in den oberen Lagen zu brillieren, dann war es Django Reinhardt.

…äh, übrigens spiele ich seit längerer Zeit meine Gigs mit einer Cutaway-Gitarre. Ich hasse sie, aber: Der Klang und der Preis überzeugte mich, was denn jetzt?

Dies ist meine schon leicht lädierte Gitarre mit Cutaway, eine Hassliebe!


und hier LIVE im Einsatz!

Sie sehen, Musik und Instrumente, ein Thema voller Kontroversen. Tun sie was sie mögen und cool finden und vergessen sie die meisten Experten-Tipps! Dazu ein Paradebeispiel: Es ist ein gängiger Konsens unter Musikern, dass neue Saiten einfach brillant und toller klingen, als gebrauchte Saiten mit Einlagerungen von Fett und Dreck-Partikeln. Nun ist genau Bob Dylan der Meinung, dass diese fehlende Brillanz mit all seinen Facetten genau für seinen speziellen Sound verantwortlich ist (Jedenfalls für eine Dekade). Verstehe da noch einer die Welt.

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Wer lehrt, der lernt!

Mit jeder Lektion und jedem Gitarren- oder Bass-Schüler erweitere ich stetig meinen Horizont. Sei es mit Inputs über neue Wunschsongs, die ich bis anhin noch nicht kannte und die ich danach ins Unterricht-Programm aufnahm oder mit Inputs über Vorschläge was das Pädagogische angeht. Jeder Schüler, Jeder Teacher ist anders und es hilft, wenn auch der Lehrer mit offenen Augen und Ohren oder einfach gesagt, mit offenen Sinnen den Unterricht gestaltet. Die Versuchung ist gross, dies rein aus Bequemlichkeitsgründen und bei einer grösseren Anzahl Schüler, den Unterricht nach einem gewissen Schema abzuhalten. Dies kann für eine Checkliste eines Airbus-Piloten eine Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Betrieb sein, im Unterricht hingegen sind Änderungen notwendig. Ich diskutiere auch mit anderen Teachern, echten Profis, Konservatoriumsabgängern und Autodidakten wie mir und stelle natürlich auch fest, dass in grösseren Lehrinstitutionen streng nach Fahrplan gearbeitet wird. Das muss so sein. Im Privatunterricht wäre es von Vorteil, jeweils auf den Schüler einzugehen, beobachte aber auch hier, dass viele sich schwer tun oder einfach nicht die Zeit dazu haben, sich Songs von Schülern draufzuschaffen. Das ist viel Arbeit für den Teacher, vor allem wenn man den Song nicht kennt. Denn der muss genau so pauken, wie die Schüler mit dem Unterschied, dass er infolge mehrjähriger Routine ungefähr weiss, wo was in welcher Lage gedrückt werden sollte. Ebenfalls gelingt ihm das «Raushören» und notieren eines Songs ein wenig besser. Doch es ist immer ein Kraftakt.

Gerade Gitarristen in meinem Alter tendieren dazu die Vergangenheit zu verherrlichen und legem dem Schüler Blues-, Rock- oder Countrysongs der 60er oder 70er (Danach ist schon langsam Ende Gelände) hin. Jeder Schüler die gleichen Songs, geht einfach, hat System und gibt ein wenig mehr Freizeit, klar. Ebenfalls tun wir Alten uns schwer, uns mit modernen Songs anzufreunden, das liegt in der Natur der Sache. Wir lieben Bewährtes, Althergebrachtes und haben Angst, uns in modernere Dinge einzufühlen. Ich lese teilweise gerne Blick-Kommentare. Man lernt verschiedene Charaktere kennen, diverse Ansichten und merkt mit ein wenig Übung immer, in welchem Alter sich der Schreiber befindet. Abgesehen von den Namen wie Sepp, Kurt oder Hans. Alles wird polarisiert und jeder hat eine klar definierte Meinung zu irgend etwas. Manchmal beschleicht mich auch der Gedanke, dass mit abnehmenden Wissen, das Gefühl, viel zu wissen, einhergeht (Danning-Krueger). Auch ich erwische mich manchmal, wenn ich mit der jüngeren Generation hadere. Doch man kann auch viel mitnehmen und ich arbeite daran.

Es gibt aber noch weitere Aspekte. Nehmen wir an der Schüler ist 23 und ich mit meinen 63 Lenzen (2023), zeige ihm einen Song von den Beatles von 1963. Gehen wir es mal rechnerisch durch. Der Schüler lernt einen Song, zu dem er keinen Bezug hat, der 60 Jahre auf dem Buckel hat. Blenden wir zurück ins 1983: Rolli nimmt Lektionen bei einem älteren Herrn. Mir wird ein Song vorgelegt von 1903 nämlich «In the Good old Summertime» von der Sousa’s Band… (Keine Sau kennt diesen Song aus dem Jahr, in dem meine Grossmutter geboren wurde…) Das Gleiche Zeitverhältnis! Schon lustig, wenn man sich dies mal von dieser Warte anschaut. Dann wird es verständlich, warum ein Schüler, die Dire Straits, Donna Summer, Barry White, Sun House, die Animals und Simon and Garfunkel nicht kennt. Es ist schlichtweg nicht ihre Zeit und ihr Musikgeschmack.

Zurück ins 83: Oh je, immer noch besser als «Kum bah yha», denke ich und tröste mich mit dem Gedanken, dass es ja egal ist, zu welcher Musik ich meine Akkorde trainiere. Nein! Ist es eben nicht. Ich stellte fest, dass Gitarrenschüler, Songs, zu denen sie ein Bezug haben, schneller erfassen, weil sie den Song schon zig mal mit Freude gehört haben, also nicht noch zuerst Zeit aufwenden müssen, sich die Melodie und den Ablauf einzuverleiben.

Doch man sollte das eine tun und das andere nicht lassen. Wenn wir die Songs der Schüler einüben um mit ihm dann diese zu erarbeiten, ist er sicher auch gewillt, Songs von mir zu lernen. Der Punkt ist halt manchmal auch der, dass für eine bestimmte Technik ein Song herhalten muss und diese Songs sind klar definiert und das Ganze hat Struktur. Es ist natürlich schon so, dass gerade im modernen Pop sehr viel Elektronik enthalten ist und reine Gitarren-Licks und -Riffs eher im Hintergrund agieren, wenn überhaupt. Ebenfalls hört man heute kaum mehr ein Guitar-Instrumental im Stile der Apache’s oder von Carlo Santana. Und um mal ein solches Stück zu beherrschen ist es vonnöten, sich der Songs aus der Mottenkiste zu bedienen. Was aber in meinen Augen gar nicht mehr geht: Schweizer und Deutsche Volkslieder. Da schläft einem als angehender Rock-Gitarrist wirklich das Gesicht ein. Ausnahme: Der Schüler wünscht dies explizit!

Selbstverständlich habe ich auch Songs von Schülern in mein Solo-Repertoire gepackt und es macht Freude, bei einem Auftritt auch die jüngere Generation zu bedienen. Es versteht sich natürlich von selbst, dass Songs im Bereich des Techno und dessen verwandten Stilen, sich eher weniger für den Gitarrenunterricht eignen.

Ich musste jetzt gerade schmunzeln, da ich ca. 1979 in Basel zu einem wirklich älteren Herrn in den Unterricht ging. Er hiess Paul Geiser (fand nix mehr im Internet, schade) und er war Fan von Django Reinhardt dem weltbesten Swing Gitarristen der 30er und 40er Jahre. Er hatte auch ein Oberlippenbärtchen und er lernte mir all die Jazz-Akkorde, die ich anfangs nicht wissen wollte, aber zu denen ich im Laufe der Zeit eine gewisse Liebe entwickelte. Er zeigte mir Songs wie «Nuages», «Stompin at the Savoy», «Just a Gigolo» und viele andere. Klar gefielen mir die Stones und die Beatles aber ich liess mich darauf ein und während er im Django-Style solierte begleitete ich ihn und das Ganze tönte nach Musik. Unsere Session wurde gelegentlich vom Klingeln der Ladentür unterbrochen, denn er hielt den Unterricht im Nebenraum des Ladens, der mit einem Vorhang getrennt war, ab. Irgendwie Old-School, aber es hatte seinen Charm. Ich fuhr mit meiner Partnerin letztes Jahr nach Basel und fand heraus, wo sich in etwa der Laden befand. Ich arbeitete damals dort auch in der Nähe (Voltaplatz). Obwohl wir heute alles haben in Punkto Medien, also Apps, Youtube -zig Tutorials etc., war die Beschränkung auf das Wesentliche in der damaligen Zeit auch ein wichtiger Faktor, um besser zu werden. Paradox aber wahr.

 

 

 

 

 

 

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DSDS «Wo man singt, da lass dich nieder…»

Eigentlich habe ich mit Dschungelcamp, den Geissens, dem Bachelor(e) oder dem Frauentausch nicht viel am Hut. Erstens bleibt mir mit meinem Jahrgang nicht mehr so viel Zeit wie auch schon und versuche deshalb je länger je mehr die Zeit ein wenig sinnvoll zu nutzen und zweitens habe ich kein TV-Anschluss sondern nur NETFLIX. Bei meiner Partnerin in Pratteln nutze ich aber die Gelegenheit mich durch die Kanäle durch zu zappen (Für den Zapper lustiger als für sein Nebenan) und stelle fest, dass die Werbung allgegenwärtig ist und man schnell durch ist. Gestern Sonntag bin ich aber bei DSDS hängen geblieben, die Castingshow, die mich fasziniert, weil sie mit dem provokativen ultra brutalen Bohlen, der alles andere als politisch korrekt ist, aber für Einschaltquoten sorgt. Der obligatorischen Knatsch im Hintergrund des Geschehens ist ein weiterer Turbo und die Truppe der Entrüsteten vollendet das Marketingkonzept.

Was mich aber aus  «beruflichen» 🙂 Gründen interessiert, sind die Kandidaten selber.  Von 10 Sängern/innen sticht immer wieder eine Stimme hervor, die absolut phänomenal ist. Es ist selbstredend, dass eine gewisse Anzahl Kandidaten dazu da sind, sie als Volldeppen zu präsentieren und die Ironie des Ganzen ist die Tatsache, dass die meisten von sich denken, ein Supertalent zu sein insbesondere was die stimmliche Begabung betrifft. Mir tun diese Personen vielfach leid, aber ohne diese Blossstellung würde das DSDS Konzept gar nicht funktionieren, da Schadenfreude und die Blamage anderer halt dem Fernsehpublikum ein grosse Vergnügen bereitet. Ein bisschen Kolloseum mit römischen Spielen steckt in uns allen (einfach ohne blutiges Happening) . Interessant ist, das einige Sänger/innen so falsche Töne von sich geben, dass es jedem, der noch ein wenig hören kann, die Schuhe auszieht. Meine Partnerin neben mir warf ein, warum das denn die Kandidaten/innen nicht selber merken, dass sie kreuzfalsch singen. Eine interessante Frage…

Die Antwort klingt aber irgendwie brutal logisch: Wenn jemand nicht erkennt ob ein Ton richtig oder falsch ist, so erkennt er logischerweise auch nicht, ob er richtig oder falsch singt. Mit anderen Worten: Sollte er in einem Song den Ton F singen, so singt er ihn knapp darunter oder knapp darüber, ohne die Disharmonie akustisch zu erkennen. Das Fiese an der Sache ist, dass ein Song mit falschen Tönen im Kontext mit einem Engagement und einer Selbstüberzeugung dargeboten wird, dass wir rein optisch wirklich einen Star vor uns haben. Haben sie ihr Werk beendet, so harren sie mit grossen Augen der Jury’s Urteil und gucken mit offenen Mündern in die Szene wenn 4x mal abgewunken wird. Sie sind überzeugt, dass die Jury ein Fehlurteil abliefert und bieten noch einen Song an, man kriegt sie fast nicht mehr in den Backstage-Bereich.

Kaum durch die Tür, versprechen sie, dass sie niemals aufgeben werden, da sie wissen, dass sie das Zeug zum Star haben und dranbleiben. Oh Schreck oh Graus, diese Zeitverschwendung. Da kommt mir mein Vater Paul in den Sinn, wenn ich als Jungspunt mal gesagt habe, dass ich eine Band gründen werden und das man von mir hören wird: «Viele sind berufen, nur wenige sind auserwählt.» Wie wahr, wie wahr. Immerhin kam er an viele Events, sogar wenn ich in Dancings (gabs in den 80ern noch) spielte oder auf der Riederalp in den Skiferien. Selbstredend hatte er bei seinen Feiern und runden Geburtstagen, mich immer als Music-Act . Und er wusste zu feiern.

Ich persönlich hatte mal das Glück bei der SRF Sendung «Die grössten Schweizer Talente» dabei zu sein (2014). Und zwar in der Phase wo bereits Publikum anwesend war (Maag Halle). Wir gaben «Folsom Prison Blues» von Johnny Cash in der Originalbesetzung (mit Kontrabass) zum Besten und der musikalische Beitrag gelang uns sehr solide. Meine langweiligen Antworten auf die Fragen von Christa Rigozzie, DJ Bobo und Roman Kirchsberger gingen hingegen so in die Hose. Ich «verschiss» quasi die Möglichkeit unser Trio weiter zu bringen, was mir heute noch ein wenig leid tut für Peter und Markus. Bobo hatte Nein gesagt, Rigozzi JA!!! Sie bleibt für mich immer ein Goldschatz. Roman Kirchsberger war der härteste brutalste Kritiker, Aber was ich vielleicht als 23 Jähriger nicht erkannt hätte: Er hatte mit allem völlig recht! Es ist wie’s ist. Hätte, hätte, Fahradkette…

Mit ein Grund warum es nicht klappt, ist eben, wie mit unserer Situation beschrieben,  das Gesamtpaket. Wenn wir an einer Firmenparty, oder an einem Stadtfest reüssieren, weil die Stimmung perfekt ist, heisst das nicht, dass wir das Zeug zum Star haben. Dies muss man sofort erkennen, andernfalls wird’s schwierig, wenn die bekannte Selbstüberschätzung das Steuer übernimmt. Dass das Entertainment nicht professionell angegangen wird, ist manchmal schwierig zu erkennen. Wenn aber jemand immer noch singt, nachdem die halbe Welt plus eine Jury, die weiss von was sie redet, verklickert hat, dass der Gesang Katastrophe ist und der Auftritt per se nur peinlich und hölzern ist, so wird’s wirklich Zeit  sich ein anderes Hobby oder einen anderen Beruf zu suchen. Und vieles, was wir nicht beeinflussen können, steht ebenfalls im Vordergrund: Alter, Aussehen, Charme, Anziehungskraft aufs Publikum etc.

Gesanglich muss eine Stimme zwei Bedingungen erfüllen: Erstens astreiner Gesang punkto Intonierung. Auf dem Weg zum Superstar haben sie keine Zeit, dieses fehlende Talent auszubilden. Entweder man hört die Töne oder nicht. Basta! Sie brauchen genügend zeitliche Ressourcen für die Entwicklung einer bereits vorhandenen tollen Stimme punkto Atemtechnik, Schonung der Stimmorgane, das Spielen mit den Tönen etc. Zweitens soll die Stimme ein tolles Timbre, einen Wiedererkennungswert haben und Gefühle erzeugen können. Es bleibt wirklich nicht viel Spielraum um zuerst mal zu üben, wie man die Töne trifft. Wenn das Ohr nicht will, dann will es nicht.

Stellt mir ein Schüler die Frage, ob es bei ihm mit Singen was werden kann, dann ist diese Frage in 1 Minute geklärt. Ich spiele einen x beliebigen Ton auf der Gitarre. Nimmt der Schüler den Ton astrein ab: «Go ahead!»


Hier noch ein paar Bilder bei den Vorbereitungen zum Soundcheck zum Casting in der Maag-Halle («Die grössten Schweizter Talente». Wir waren noch nie so gut verdrahtet. Akustik und Sound auf High-Tech-Niveau, dank den SRF Technikern. Auch das Schminken und das Rumhängen war ein cooles Erlebnis und ja: Sven Epiney ist ziemlich gross und mega nett!


Unten links der liegende Kontrabass von von Peter, hinten Technik pur!


Techniker und Kandidaten am vorbereiten und die beiden Gitarren und Amps von mir und Markus


Das Cash-50iger Mik mit entsprechendem Retrostativ auf dem Stern der musikalischen Begierde. Markus (rechts) mit umgehängter Fender ready to Play. Vorne das Pult der Jury, die natürlich nicht zur Probe erscheinen muss 🙂
(rechts: Roman Kirchsberger, mitte: Christa Rigozzi, links: DJ Bobo)


Unser Cash-Outfit für den Vortrag in der Maag-Halle. Angelehnt
and den Film «Walk the Line» mit Joaquin Phoenix.
(Gig im Kentucky Saloon Pratteln)

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Üben, wie und wieviel?

Zäumen sie das Pferd von hinten auf und stellen sie sich zuerste folgende Fragen:

  1. Was will ich erreichen?
  2. Wieviel sollte ich üben um obiges Ziel zu erreichen?
  3. Habe ich überhaupt die Zeit bzw. das Feuer und die Disziplin um obiges Ziel zu erreichen?
  4. Habe ich eigentlich Spass am Üben?
  5. Will ich üben oder nur Dudeln?
  6. Ist meine Fremd- und Selbsteinschätzung im Einklang?
  7. Ertragen sie das Gap zwischen Soll und Haben (Wunsch und Wirklichkeit)
  8. Trainieren sie kleine Happen und formen das zu einem Ganzen

Nachdem  sie sich die allererste Frage gestellt haben, ist alles sonnenklar! Sie wissen, dass sie in Nashville Studiogitarrist werden wollen oder Endoorser bei Fender. Dann wissen sie auch, dass sie ca. 6 Stunden pro Tag im Minimum üben sollten. Nun haben sie Frau und drei Kinder plus einen 70 Stunden-Woche Job. Frage geklärt dh. Zielvorstellung anhand der vorgegebenen Zeit anpassen. Ein ähnlicher Vergleich mit meinem Hobby: Ich studierte früher x komplizierte Modellbahn-Gleispläne und dachte doch voll im Ernst, dass ich in den nächsten Monaten so eine Anlage bauen könnte. Genau betrachtet wäre der Zeitaufwand immens (Unterbau, Gleise, Landschaft, Häuser, Elektrik, Elektronik) und es erstaunt immer wieder, wie man sich verschätzen kann.

Sie wissen partout nicht, wieviel sie üben können? Mein Vorschlag wäre, dass sie die Planungsphase verlassen und mal 14 Tage den Ernstfallproben und die Häufigkeit (Und Effizienz) der Übungssessions notieren. Das ist eine gute Ausgangslage!

Nun haben sie den zeitlichen Aufwand mal abgecheckt. Aber ehrlich, haben sie das Feuer, sich an die Zeiten zu halten oder wird es eher ein «Morgen ist auch noch ein Tag…» Das Uebungsprotokoll gibt ihnen Auskunft. Ich kann ihnen das Uebungsprotokoll überhaupt als ständige Massnahme empfehlen. Sie können die Termine plus die Songs oder den Stoff, den sie üben in die Agenda eintragen. Fortschritt garantiert!

Der Spass am Ueben ist auch ein wesentlicher Faktor. Wenn sie sich, wie ein blutleerer Zombie an die Gitarre quälen müssen, so wird das auf Dauer nix. Eigentlich logisch, aber immer noch in den Köpfen, da viele von uns als Kind zum Ueben gezwungen wurden: «Hast du auch brav Blockflöte geübt?…..» Schon die Wort-Kombi «brav, üben und Blockflöte» hat einen Erschaudern lassen. Und meine Blockflöte hat gequitscht wie eine Ente auf Koks» Also weg mit den alten Zöpfen, haben sie Freude am Ueben und am Beobachten, wie sie immer besser werden. Gitarre sollte Spass machen.

Ja, und dudeln sie nicht. Sie können sagen, sie haben eine Stunde Gitarre geübt, meinen aber damit, dass sie das gespielt haben, was sie schon eh können bzw. man hat rumgedudelt ohne Sinn und Plan. Ist auch wichtig, doch im Kontext mit dem besser werden, häufig nicht sehr produktiv.

Ich sehe drei Uebungsphasen:

Erste Phase
Man muss langsam etwas erlernen was neu ist. Takt für Takt muss man einen Ablauf einstudieren, der irgendwann mal schnell gespielt werden sollte. Anfangs ein Berg, da das Stück vieeele Takt hat, die es zu erlernen gibt oder neue Akkorde, die einfach nicht sitzen. Man hört sich das Original an, zuerst verlangsamt, seeeeehr verlangsamt, vergleicht es mit der Tabulatur und definiert die Finger, die Lage der Bund sowie die Technik, die es braucht. Eine üble Sache, vom Aufwand her gesehen. Diese Phase durchgehen meine Schüler meist in der Unterrichtsphase, andere via Youtube oder Book. Deshalb ist der der anfangs coole Unterricht später eher was für Disziplinierte, was wie schon mal erwähnt nicht immer dem heutigen Zeitgeist entspricht. Mein erster Plan, den Schüler hauptsächlich Freude zu vermitteln, scheiterte kläglich an der Tatsache, dass für das Erlernen einer Technik Wiederholungen nötig sind. Mit anderen Worten Drill und Abfragen. Immer wieder. Gitarre lernen ist kein Ponyhof, konnte aber feststellen, dass dies mit Wunschsongs seitens der Schüler schneller von statten geht, als mit den alten verstaubten Volkslieder lindert das Ganze. Deshalb immer Kür und Pflicht

Zweite Phase
Der Ablauf wird verinnerlicht. Man spielt alles sehr langsam und mit voller Konzentration. Man liest immer noch ab, aber man erkennt langsam den roten Faden.

Dritte Phase
Man spielt es bereits auswendig, jedoch immer noch langsam. Man ist schon in der Lage sich, nebst dem Spielen, auf was anderes konzentrieren zu können. Ich nenne diese Phase die «Netflix-Phase», die schönste Phase des Trainings-Spektrums. Man schaut sich eine Doku an, hält die Gitarre in den Händen, nudelt die Riffs und Licks durch, die man sich mühselig erarbeitet hat und stellt fest, dass sie an Geschwindigkeit zunehmen. Bonus-Punkt: Ich habe kein schlechtes Gewissen vor der Glotze. für Chips oder klebrige Chicken Wings haben sie eh keine Hand frei, somit alles im grünen Bereich. Ich relativere dies mal für mich persönlich: Entweder habe ich vor der Glotze Essen oder die Gitarre in den Händen. Nachteil: Sie können den Klick, also das Metronom nicht einschalten. Deshalb immer wieder auch ausserhalb Netflix mit dem Taktgeber trainieren. Nur so werden sie sicher, auch im Bereich des Tempos bzw. der Rhythmik.

Nun noch ein wenig «Psychologie»

Ich unterrichte nun viele Jahre und es ist klar, dass ich aus pädagogischer Sicht, den Verlauf des Unterrichts bzw. den Menschen, der vor mir sitzt ein wenig «studiere», um ihn dort abzuholen, um ihm den grössten Nutzen zu ermöglichen. Viele ähnliche Mindsets kann ich jedoch bei allen Schülern feststellen:

Das Unterschätzen der Materie
Das Gitarrespiel sieht bei anderen so leicht aus und man kann sich unmöglich vorstellen, dass das Erlernen der Akkorde bis zu einem Jahr dauern kann, will man sie denn in schneller Manier wechseln. Bitte gebt euch Zeit und nochmals Zeit, bevor die Frustration hoch kommt. «Ich kann die Barré-Akkorde immer noch nicht schnell wechseln und übe und übe!» Ja, Frust pur, war bei mir auch so und ich startete gleich in C-Dur, wo der F-Shape bzw. der F-Akkord schon in der ersten Stunde zum Grundinventar gehörte. Dies mit einem Song wie «Santa Lucia» in einer Zeit, wo die Chefin eines Musikladens noch eine Schürze trug und «Blue Moon of Kentucky (Kentöcki)» noch bestellt werden musste. Heut guckt man Youtube und sieht einen coolen Typen, der es praktisch zeigt, anstelle dass man auf ein Notenblatt starrt. Aber das Trainieren und der Frust bleibt. Es braucht immer mehr Zeit, als das man ahnt. Ich habe mal einen tollen Satz gelesen:

«Man überschätzt, was man in einem Jahr lernen kann und unterschätzt, was man in fünf Jahren lernen kann!» wie wahr, wie wahr.

Selbst- und Fremdeinschätzung
Die Mehrzahl der Schüler, also 9 auf 10 Schülern, sind eher negativ gegen sich eingestellt. Sie achten vermehrt auf Ihre technischen Mängel, statt anzuerkennen, wie weit sie eigentlich schon gekommen sind. Wenn sie etwas gemeistert haben, sind sie nicht glücklich über das was sie können, sondern sie sehen den Berg, den sie immer noch nicht beklommen haben und setzten sich vielfach hohe Ziele. Schülerinnen, die privat einen grossen Karren ziehen (Beruf, Familie, Soziales etc.) sind stärker davon betroffen und sehen das Gitarrespiel als einen klaren Plan mit Zeiteinheiten, Zielen und Erwartungen. Wie vieles im Leben ist der Unterricht (und leider der Stoff) getaktet und wenn der Plan nicht perfekt eingehalten werden kann, so kommt natürlich der Frust hoch, während der Mann hier noch vieles lockerer nimmt. Macht den Unterricht nicht zu einer weiteren Pendenz, dessen Deadlines eingehalten werden müssen. Wir haben ja so schon zu viel offene Pendenzen. Es sollte einfach nur Spass machen. Und wenn der Spass im Vordergrund ist, so läufts von alleine. Lobt euch persönlich auch ein wenig ob kleinen Fortschritten: Aus einer kleinen Phrase gibt es einen Takt, viele Takte ergeben einen Song. Schritt für Schritt, ein Tag nach dem andern.

Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster und denke es hat auch mit der nationalen Zugehörigkeit zu tun. Wir Schweizer sind per se nicht immer übermässig selbstbewusst (Gipfeli, Herrgöttli, Wienerli…. li li li) während deutsche Kursteilnehmer, und dies ist wohlwollend gemeint) schon ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag legen: «Ich denke ich kann das, weiter!»

Mein Tipp: Wenn ihr das Gefühl habt, ihr könnt nach Monaten immer noch nichts, so zückt meine Linkshänder-Gitarre (Saiten verkehrt rum aufgespannt) und greift mal den ersten einfachsten Akkord mit der rechten Hand. Oh Oh…

Nun gibt es aber auch den Schüler der ein wenig zu viel Selbstbewusstsein hat. Er ist überzeugt, dass er den Anfangs-Teil gleich überspringen kann, ohne Theorie sehr weit kommt und dass die Stücke im Einsteigerbuch ein wenig zu seicht sind. Er will sofort ein Instrumental eines Gott-Gitarristen und teilt mir mit, dass sein Kollege, auf die Frage, wie lange er schon spielt, mit «oh sicher 10 Jahre» geantwortet hat. Er will schon in eine Band und ich traue mich kaum, ihm vorzuschlagen, miteinander eine Stufe weiter unten einzusteigen. Das führt mich dann konkret zu ein paar schriftlichen Schnelltests oder ein paar gezielte Abfragen, wo dann irgendwann der eigentliche Status erkannt wird, oder auch nicht. Es geht immer um den Fortschritt des Schülers, aber hier ist die Selbstblockade grösser.

Also habt Spass am Spiel, beachtet die Fortschritte und noch eine wichtige Sache. Akzeptieren wir im Leben das Gap zwischen was wir sollten und was wir wirklich können. Das ist das Schöne am Alter: Eine gewisse Altersmilde kehrt ein und die quälenden Gedanken, über Dinge, die man immer noch nicht getan, aber geplant hat verblassen. Warum? Mein setzt diese Dinge nicht mehr auf den Soll-Plan und gleicht die Möglichkeiten mit den Zielen aneinander an!

  • Wenn ich seit 40 Jahren ein paar Kilo zu schwer bin, so ist es einfacher, dies zu akzeptieren, als sich 40 Jahre darüber aufzuregen. Es ist wies ist.
  • Wenn ich seit 2 Jahren Gitarrenunterricht jedesmal selbstzerfleischend feststellen muss, dass ich den Uebungsplan nicht einghalten habe, so gilt es, den Plan zu streichen oder zu ändern, anstelle Aerger aufkommen zu lassen.
  • Wenn ich im ganzen Leben noch nie einen Jahresvorsatz durchgezogen habe, so streiche ich das Wort «Jahresvorsatz» aus meinem Vokabular!

Also manchmal mit der Einstellung «Geht mir am A… vorbei» leben und Gitarre spielen. Sie Sonne geht trotzdem auf am nächstenTag. So einfach ist das!

Last but not least: Richtet euch eine Trainingsecke ein, wo alles bereit ist. Wenn vorher die Gitarre ausgepackt, der Notenständer aufgeklappt und die Bücher gesucht werden müssen, ist der erste Elan schon weg.

 

Viel Spass beim Ueben!

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welche elektrische Gitarre für den Einsteiger?

Ich würde das Augenmerk auf folgende Punkte richten:

  1. Die Gitarre muss nicht 1A klingen, da sie vorerst nicht für Gigs oder Proben im Bandkontext verwendet wird, sondern meist in einem kleineren Raum mit einem kleineren Verstärker.
  2. Sie sollte gut aussehen, ihnen gefallen, andernfalls, macht es keine Freude!
  3. Das Allerwichtigste: Während im Sound Kompromisse eingegangen werden können, so muss die Gitarre top eingestellt, verarbeitet und komfortabel zu spielen sein. Die Mechaniken und Hardware sollten eine Top-Qualität aufweisen.
  4. leider meinen viele Gitarrenhersteller, dass ein Einsteiger keine Ansprüche haben sollte, so werden bei günstigen Gitarren auch günstige Teile verwendet,  doch gerade für Einsteiger braucht es eine komfortable Bespielbarkeit und eine qualitativ hochwertige Verarbeitung (abgerichtete Bünde, Top Halskrümmung etc.).
  5. Solche Gitarren zu bauen ist möglich. Die Tonabnehmer bilden meist einen grösseren finanziellen Aufwand, auf den man anfänglich verzichten kann, in dem man günstige aber gute Tonabnehmer verbaut. Die restliche Hardware (Mechaniken, Knöpfe, Steg, Schalter etc.)  sind verhältnismässig günstiger. so sollte es möglich diese in guter Qualität zu liefern.
  6. Haben Sie eine qualitativ gute Gitarre, aber ohne teures Holz und teure Tonabnehmer, so ist es ihnen später auch möglich, lediglich die Tonabnehmer zu tauschen.
  7. Preislich würde dies in etwa bei CHF 300.- bis 500.- liegen.
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